Interview Fachzeitschrift Baumetall

|   Presseveröffentlichung

 
Meister müssen öfter auf die Steuerbrücke

... und den Maschinenraum verlassen

Mit ihrer ErfolgsMeisterei in Tutzing bringen Burga Warrings und Uwe Engelhardt Betriebe auf Erfolgskurs. Die Geschäftsführer ermuntern Inhaber und Führungskräfte zu Veränderungen. Nach zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Beratung und im Coaching zählt ihre Erfolgsmeisterei heute über 1.400 Kunden.

BAUMETALL: Der Optimierungsstand in vielen Spenglerbetrieben ist hoch dank CNCMaschinen und Digitalisierung. Welche Potenziale sehen Sie?
 
Uwe Engelhardt: Nach unserer Erfahrung steigen die Produktivität und Rentabilität in Betrieben ohne Führungs- bzw. Betriebssystem, in denen Chaos-Management herrscht, auch nicht durch die Digitalisierung. Eine Maschine arbeitet nur dann wirtschaftlich, wenn vorher der Kernprozess durchgeplant ist. Oft fehlen die optimale Mannschaftsaufstellung und durchdachte Prozessabläufe. Ich muss die Fragen beantworten: Wer macht was zu welchem Zeitpunkt mit welchen Mitteln? und Wer muss wann mit wem über welche Themen reden? Viele Chefs kaufen erst die Maschine und überlegen dann, was sie damit erreichen können.
 
Können Sie Ihr Coaching und Mentoring näher erklären?
Wir unterstützen Chefs und Führungskräfte, ihren Betrieb sicher und finanziell erfolgreich, dabei aber immer mit menschlichem Maß in die Zukunft zu steuern. In der Erfolgsmeisterei gibt es Werkzeuge, Wissen und die Anleitung, Probleme zu lösen. Wir sehen einen Betrieb ganzheitlich und beginnen den Lösungsprozess an der dünnsten „Stelle des Brettes“.

Wie analysieren Sie Optimierungsreserven?
Wir motivieren Interessenten, zu uns nach Tutzing zu kommen, und erleben sie einmal in der Rolle der Führungskräfte und zweitens als Menschen mit ihren Stärken, Schwächen, Wünschen, aber auch in ihrer Kreativität. Sofern es der Sache dient, besuchen wir Betriebe vor Ort. Damit Ziele erreicht werden, begleiten wir sie per Live-Webkonferenz in der Umsetzungsphase.
 
Was raten Sie, wenn es schwierig wird und Inhaber riskante Veränderungen und Modernisierungen abwarten?
In schwierigen Situationen neigt man zu emotionalen Ad-hoc-Entscheidungen, die meist die Lage verschlimmern. Deshalb unser Rat, betriebliche Spontanentscheidungen zu vermeiden. Stattdessen muss der Chef Fakten schaff en und Prioritäten setzen, um die dringendsten Angelegenheiten zu identifi zieren und zu gewichten. Wichtig ist, dass der Meister den Maschinenraum verlässt und sich auf die sinnbildliche Steuerbrücke begibt. Je mehr entscheidende Fakten er hat, desto vorausschauender kann er sein Schiff auf Sicht steuern. Eine gute Anleitung sind die Fragen: Was will ich? Was brauche ich? Was kann ich?

Was thematisiert Ihr Buch?
Ein Schwerpunkt unseres Buches ist, dass sich Handwerker als Spezialisten begreifen, um sich in Zukunft wertiger zu verkaufen. Es ist ein Appell an Meister, sich selbst um ihren Erfolg zu kümmern und ihren eigenen Markt zu gestalten. Es ist wie Baustellenmanagement, nur das Spielfeld ist ein anderes, eben Management.
 
Der Kunde ist König - was raten Sie Betrieben, Kundenwünsche gezielter zu erfüllen?
Wir teilen die Meinung, dass der Kunde König ist, nicht. Diese Einstellung schaff t Probleme durch Verwirrungen, die nicht hilfreich sind. In der Folge treten Meister nicht wie Fachautoritäten auf, sondern wie Untergebene. Mit dieser Unterstellung bin ich in einer aussichtslosen, ohnmächtigen Situation. Wir empfehlen, das Selbstbewusstsein zu entwickeln, dass der Spengler ein Spezialist ist und ein Kunde die Fachleistung benötigt. Diese neue Einstellung führt dazu, dass ich gleichwertig auftrete und geschäftlich auf Augenhöhe bin.
 
Wie finden Betriebe Azubis und optimieren die Suche?
Die Aussicht, Teil einer Champions-League-Mannschaft zu werden, verändert das Niveau der Bewerber. Ich muss meine Firma als etwas Besonderes verkaufen. Rund 80 % der Bewerber kommen aus dem Umfeld. Die Frage lautet: Würden die Mitarbeiter ihren Chef weiterempfehlen? Findet ein Mitarbeiter für seine Arbeit Anerkennung und identifi ziert sich mit den Werten der Firma, baut er die nötige menschliche Sicherheit auf und wird andere anziehen. Diese Themen sollten im regionalen Umfeld kommuniziert werden. Leere Versprechen und 08-15-Anzeigen funktionieren
kaum.

Tutzing, 18.12.2020, Interview Fachzeitschrift BAUMETALL

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